Interview mit Chefinspektor Martin Egger

Ich hatte unlängst das Vergnügen, Herrn Chefinspektor Martin Egger in einer meiner schlaflosen Nächte interviewen zu dürfen. Hier das Ergebnis:

Walter: Grüß Gott, Herr Chefinspektor!

Egger: Grüß Sie Gott, Herr Bachmeier!

Walter: Schön, dass Sie sich bereit erklärt haben, mir ein Interview zu geben.

Egger: Was bleibt mir denn anderes übrig? Schließlich haben Sie mich sozusagen erträumt.

Walter: Naja, ganz so war es nicht!

Egger: Also Schluss jetzt mit dem Geplänkel. Was wollen Sie wissen?

Walter: Es geht um Ihren ersten Fall, also das Buch mit dem Titel: „Affären-Alpen-Apfelstrudel“

Egger: Ja und? Was gibt es da so besonderes?

Walter: Naja, es ist doch sehr ungewöhnlich, dass ein Polizeibeamter mit, naja sagen wir mal einem PBT so ohne weiters arbeiten darf.

Egger: Sie meinen mit einem Psychischen Belastungstrauma?

Walter: Ja, richtig. Wie kommt das?

Egger (Aufgebracht): Ich war und bin nun mal einer der besten Ermittler im Team von Hofrat Gmeiner! Da sieht man schon über solche Sachen hinweg. Zuerst meinte man ja, es wäre besser, wenn ich mich einer Behandlung unterziehe. Aber das kommt nicht infrage! Ich bin doch nicht deppert! Andererseits hab ich meine Arbeit, die zu machen war, meistens sauber und ordentlich erledigt.

Walter: Wie kam es eigentlich zu dieser Erkrankung? Was war der Auslöser?

Egger: Ich könnt jetzt sagen, dass Sie mein Buch lesen sollen! Aber das wär ja Blödsinn. Schließlich haben Sie es ja geschrieben. Um es kurz zu machen. Der Auslöser für diese – Unpässlichkeit war der Tod meiner Frau. Wissens? Die Deppen von sogenannten Freunden haben sie einfach sterben lassen! Mitten im steinernen Meer. Hingfallen ist sie, hams gsagt! Hingfallen und tot. Dabei woars noch so jung. Zwaa Kinder hots ma gschenkt! Zwillinge. Den Max und den Moritz. Zwaa liabe Burschn. Da Moritz schaut seiner Muadda gleich. De gleichn Aung, die gleichen blonden Hoar, genauso musikalisch wia sei Muadda. Da Max kummt eher noch mia. Dunkle Hoar, braune Aung und fü lesen tuat ea. Mitm Spurt hot ears aa nit a so. Eifersüchtig is ea manchmoi aufn Moritz, weil der a poar Minutn ölta is ois wia ea. Groaß sands a nit grod. Mit eahnane acht Joahr grod amoi aan Meta zwanzg. Oiso eigentli Durchschnitt.

Walter: Wieso sind Sie solange alleine geblieben? Gab es denn keine Möglichkeit, eine neue Frau zu finden?

Egger: Natürlich hat‘s die gegeben. Zuhauf hätt ich sie haben können! Ein alleinerziehender Witwer! Dazu noch Beamter! Das wärs doch, haben die meisten gmeint. Aber nit mit mia! Meiner Leni hot kaane as Wasser reichn kinna. Freili woarn wöche dabei, de wirklich fesche Maderl gwen sand. Aba de ham nix im Hirn khob. Koa Hirn und koa Herz! Vostehnans? Im Herz muaß es stimma. Sunst taugt doch ois nix! Des scheenste Gfries taugt nix, wenns im Herzen nit stimmt!

Walter: Sie unterhalten sich immer wieder mit Ihrer toten Frau. Wie kommt das und vor allem, wie machen Sie das?

Egger: Ganz einfach! Ich hab meine Leni im Herzen drin. Ich kann jederzeit zu ihr. Mit ihr reden, lachen, weinen. Sie gibt mir auch immer einen guten Rat. Wenn ich ein Problem, einen Fall zu lösen hab, frag ich sie. Sie hat mich noch nie enttäuscht!

Walter: Ist es nicht vielmehr so, dass Leni dabei ihr Instinkt ist? Ihr inneres Gefühl, das Ihnen sagt, was richtig und was falsch ist? Dass sie sich die Fragen, die Sie Leni stellen, eigentlich an sich richten und in Ihrem Bauchgefühl die Antwort bekommen?

Egger: Das ist doch ausgmachter Blödsinn, is des! Bauchgfühl! Sowos kon i mia ois Polizeibeamter nit leisten. Wo kamat i denn do hi, wenn i meine Fäll noch meim Bauchgfühl lösen dat? Mei Leni redt mit mia und damit basta! Ob eahna des iatz gfoit oda nit!

Walter: Ihr aktueller Fall – Die kleine Leni. Sie sind da emotional sehr gefordert.

Egger (bekommt feuchte Augen): Emotional gefordert? Emotional gefordert nennan Sie des? Ham Sie des Kind eigentli voa eahnane Aung khob? Des Maderl – des Kind! Wia mein Leni! So liab, wia a Engal! So klaan, so zierlich, so … I waas nit, wia i song soy! Sogoa beinah den gleichn Lebenslauf homs khob! Nit nua an Namma! Naa! Des Engal ist in de söbe Musikschui ganga wia mei Leni! Des gleiche Instrument hots gspüt. Gwohnt hots aa durt. De gleichn Aung und do liegt des Kind voa mia. Tot! Vostehst? Tot! Irgendwea hots umbrocht! In den koitn Habach hot mas einigschmissn! Zerscht gschlong mit an dickn Knüppel und dann einigschmissn ins koite Wossa! Und iatz kimmst du daher und vozöhst ma wos von emotional gfordert!

Walter: Entschuldigen Sie. Es war nicht böse gemeint.

Egger: Nit bös gmaant? Waast, sche langsam tuats ma laad, dass i übahaupt mit dia gredt hob!

Walter: Nun beruhigen Sie sich. Ich entschuldige mich auch noch einmal dafür. Könnten wir jetzt weitermachen?

Egger (etwas ruhiger): Jo, meinetweng! Frog, wos du no wissen wüst.

Walter: Sie reden manchmal Schriftdeutsch und manchmal Dialekt. Wie kommt das?

Egger: Jo mei. Des ist hoit, wia i aufglegt bin. Amoi a so und amoi anderscht.

Walter: Wie ist das nun mit der kleinen Leni? Wer hat sie umgebracht und warum?

Egger: Wers umbrocht hot, sog i nit. Der Grund? Eifersucht? Gier? Hass? Neid? I waas es nit! Vielleicht ois zsamm? I waas bloß aans. Mit dem Foi hob i a neiche Frau gfundn!